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Wie schnell kann ein Hubwagen fahren?

Der Gabelhubwagen ist per Definition der Unfallversicherer ein Mitgeher-Flurförderzeug. Aufgrund der Tatsache das der Hubwagen über keinen eigenen Antrieb verfügt, ist er von der Geschwindigkeit abhängig, die der Mitgeher oder Mitarbeiter zusammen mit dem Flurförderzeug vorgibt.

Natürlich sind Unfallversicherer wie die Berufsgenossenschaften darauf bedacht, ihre Mitglieder, die versicherten Mitarbeiter der Unternehmen, vor Unfallgefahren zu schützen und geben deswegen in den Begriffsbestimmungen zu den Unfallverhütungsvorschriften für Flurförderzeuge eine sogenannte Kriechgeschwindigkeit von bis zu 2,5 km/h an. Das ist nun lediglich eine Begriffsbestimmung, die bestimmte Situationen im täglichen Betrieb eingrenzen soll und nicht nur Hubwagen betrifft. Diese 2,5 km/h kommen jedoch der durchschnittlichen Geschwindigkeit eines Fußgängers sehr nahe, die bei rund 3,6 km/h liegt, etwa 1 m pro Sekunde.

Höhere Geschwindigkeiten sind möglich

Die Realität zeigt, dass diese Durchschnittswerte ebenso unterschritten wie auch überschritten werden. Ein Mitarbeiter, der einen Hubwagen bewegt, auf dem sich eine 2 t schwere Palette befindet, wird die Kriechgeschwindigkeit von 2,5 km/h durchaus erreichen können, abhängig von der Bodenbeschaffenheit und den Belägen der Lastrollen und Deichselräder. Um die Schrittgeschwindigkeit von 3,6 km/h zu erreichen, bedarf es dann aber schon großer Anstrengungen und im Sinne der Unfallverhütungsvorschriften ist es als vernünftig anzusehen, das beispielsweise eine 2 t schwere Last besser etwas langsamer bewegt wird.

Technisch gesehen kann ein Hubwagen durchaus höhere Geschwindigkeiten erreichen, denn ein Fahrzeug, dessen Rollen, Räder und Kugellager oder Nadellager darauf ausgelegt sind, hohe Lasten auszuhalten und sich dabei zu bewegen, sind ebenso in der Lage, bei geringeren Lasten schnelle Rotationsbewegungen mitzumachen. So sind die an den Rädern und Rollen angebrachten Lager aus Edelstahl und die Laufflächen aus verschiedenen Kunststoffen, die auf unterschiedliche Böden ausgelegt sind. Üblicherweise besteht der Untergrund, auf dem Hubwagen verwendet werden, aus glattem, ebenen Betonboden, der ein leichtes Abrollen und damit bewegen des Hubwagens unterstützt.

Kavaliersdelikt Hubwagenrennen

Der Mensch und damit der Mitarbeiter eines Unternehmens unterliegt auch während der Arbeitszeit dem Spieltrieb und kommt damit in die Versuchung, den Hubwagen nicht den Bestimmungen gemäß zu verwenden. Das täglich in unzähligen Betrieben der Gabelhubwagen zum Roller mutiert, indem der jeweilige Mitarbeiter auf die Gabel steht und sich mit einem Bein abstößt oder etwa Gefälle im Unternehmen nutzt, um auf diese Weise das Flurförderzeug nicht ziehen zu müssen, sondern dem ganzen einen gewissen Spaßfaktor abzugewinnen, ist kein Geheimnis. Dafür besteht auch kaum eine Altersbegrenzung. Natürlich sind es überwiegend jüngere Mitarbeiter, die aus dem Mitgeher-Flurförderzeug ein Fahrzeug mit Stehplatz machen, es finden sich aber praktisch in jeder Altersschicht entsprechende Kollegen. Bei solchen betriebsinternen „Fahrten“ können durchaus Geschwindigkeiten, zumindest kurzfristig, von 25 bis über 30 km/h erreicht werden. Für den Hubwagen stellt dies kein Problem dar, für den Mitarbeiter jedoch schon, wenn es zu einem Unfall kommt.

Von diesen alltäglichen, jedoch in keiner Weise erlaubten Vorgängen abgesehen, können Hubwagen in bestimmten Situationen ebenso hohe Geschwindigkeiten erreichen, ohne dass dies vom jeweiligen Mitarbeiter beabsichtigt ist. Dies ist dann der Fall, wenn ein Gabelhubwagen mit hoher Last ein Gefälle herauf oder herunter bewegt wird. Die Masse der angehobenen Palette schiebt den Hubwagen aufgrund der Schwerkraft die Schräge verstärkt hinunter. Darum sollte der Mitgeher an Gefällen immer bergseitig stehen und im Idealfall ist der Gabelhubwagen mit einer Fahrbremse ausgestattet.

Das Risiko fährt immer mit

Doch noch einmal zu „Spiel und Spaß“ mit dem Hubwagen. Natürlich wird jedem Mitarbeiter in der Einweisung vermittelt, dass ein Flurförderzeug wie der Hubwagen nur bestimmungsgemäß benutzt werden darf. Hubwagenrennen gehören nicht zum bestimmungsgemäßen Gebrauch und bergen große Unfallgefahren in sich.

Wer unbedingt wissen möchte, welche „Fahrgefühle“ und welche Höchstgeschwindigkeiten mit einem Hubwagen zu erreichen sind, kann sich einem Verein anschließen. Nicht nur in Deutschland finden sich Vereine für Fahrzeuge wirklich jeder Art, etwa Aufsitzrasenmäher oder Einkaufswagen und selbst Betonmischmaschinen werden zu Rennfahrzeugen umfunktioniert. Auch für Hubwagenrennen gibt es mindestens einen eingetragenen Verein, der regelmäßig Veranstaltungen ausrichtet, in deren Mittelpunkt das vielseitige Flurförderzeug steht.



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